Da sitzt es ja, das Ich!

aus: scinexx

Selbstreflektion zeigt sich in Gehirn

Unterschiede im präfrontalen Cortex bei introspektiven Menschen entdeckt

Ob ein Mensch über eine gute Selbstreflektion verfügt und die Richtigkeit seiner Entscheidungen realistisch einschätzen kann, zeigt sich auch am Gehirn. Wissenschaftler haben festgestellt, dass eine spezifische Region des Stirnhirns bei introspektiven Menschen leicht vergrößert ist. Wie sie in „Science“ berichten, eröffnet dies wertvolle Einblicke in die Biologie unsers Bewusstseins.

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Entscheidung über Fleckenmuster

Für ihre Studie entwickelten die Wissenschaftler um Geraint Rees, Stephen Fleming und Rimona Weil vom University College London zunächst ein spezielles Experiment, mit dem sie die Selbsteinschätzung von Probanden nach dem Lösen einer Aufgabe spezifisch abfragen und die Übereinstimmung mit dem tatsächlichen Abschneiden ermitteln konnten. In den Experimenten bekamen die 32 Freiwilligen jeweils zwei Computerbildschirme mit jeweils sechs gemusterten Flecken gezeigt. Auf einem der beiden Screens war einer der Flecken eine Winzigkeit heller als die anderen fünf.

Die Probanden sollten diesen Bildschirm identifizieren und gleichzeitig angeben, wie sicher sie sich über die Korrektheit ihrer Entscheidung waren. Das Experiment war dabei von den Forschern bewusst so angelegt, dass die Identifikation der richtigen Grafik für jeden Probanden etwa gleich schwer war. Dafür wurde der Schwierigkeitsgerad jeweils individuell auf die Fähigkeiten der Personen eingestellt. Unterschiedlich war damit in erster Linie die Einschätzung ihrer getroffenen Entscheidung.

Wie in einer Quizshow

Nach Ansicht der Wissenschaftler sollten Personen, die gute Fähigkeiten der Selbsteinschätzung und -beobachtung besitzen, sich nach einer richtigen Entscheidung sicherer sein als nach einer falschen. „Es ist wie in der Quizshow ‚Wer wird Millionär’“, erklärt Weil. „Ein introspektiver Kandidat wird seine finale Antwort abgeben, wenn er sich relativ sicher ist und vielleicht einen Freund anrufen, wenn er unsicher ist. Ein Kandidat, der über weniger gute Selbstbeobachtung verfügt, wird auch weniger effektiv einschätzen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit seine Antwort die richtige ist.“

Mehr graue Substanz

Nach dem Experiment untersuchten die Forscher zusätzlich die Hirnstruktur und Aktivität der Probanden mittels Magnetresonanztomografie (MRI) und setzten die Ergebnisse der Scans mit der Fähigkeit zu korrekten Selbsteinschätzung ins Verhältnis. Tatsächlich stießen sie auf eine Korrelation: Eine kleines Gebiet grauer Hirnsubstanz im rechten vorderen Bereich der Hirnrinde, dem präfrontalen Cortex, war bei den Probanden mit guter Selbstbeobachtung etwas größer ausgeprägt als bei ihren weniger erfolgreichen Kollegen. Auch die Struktur der benachbarten weißen Substanz zeigte Unterschiede.

Einblick in Biologie des Bewusstseins

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte demnach die Ausprägung dieses kleinen Gehirnbereichs, der direkt hinter unseren Augenliegt, ein Indikator für unsere Fähigkeiten zu Introspektion sein. Wie genau dieser Zusammenhang zwischen Selbsteinschätzung und der weißen und grauen Substanz aber funktioniert, ist noch absolut unklar. Die Forscher betonen auch, dass ihre Ergebnisse nicht notwendigerweise bedeuten, dass Individuen mit mehr grauer Substanz in diesem Bereich mehr Selbstbeobachtung betreiben als andere Menschen. Sie könnten aber ein Hinweis auf das Niveau der Selbstbeobachtung sein, zu dem ein Individuum fähig ist.

„Wir wollen wissen, warum wir uns bestimmter mentaler Prozesse bewusst sind, während andere sich in Abwesenheit abspielen“, erklärt Fleming. „Es könnte unterschiedliche Niveaus des Bewusstseins geben, von der einfachen Erfahrung bis zur Reflektion über diese Erfahrung. Introspektion liegt am oberen Ende dieses Spektrums – indem wir diesen Prozess erforschen und ihn zum Gehirn in Beziehung setzen, hoffen wir mehr Einblick in die Biologie des bewussten Denkens zu erhalten.“

(American Association for the Advancement of Science, 20.09.2010 – NPO)

Kommentar.

Na schön, lassen wir die Kirche im Dorf: Ob da „das Ich“ sitzt, steht noch in dern Sternen. Und ob Introspektion und Reflexion schlicht dasselbe sind, wäre noch zu diskutieren. Das Wort ‚Selbstreflektion‘ verbirgt mehr, als es entdeckt. Und dann sind es ja mehrere Zentren, deren vorgängiges Zusammenspiel ein ‚Ich‘ immer wieder erst werden lässt. Und schließlich handelt es sich augenscheinlich um keine positive, sondern um eine kritische Funktion – die Fähigkeit zum Problematisieren. Das Ich als das Vermögen, Fragen zu stellen – damit kann sich auch der Transzendentalphilosoph anfreunden.

Und auf jeden Fall sind Wolf Singer und seine Parteigänger um ihr bestes Streitross ärmer.

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~ von Panther Ray - September 20, 2010.

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