Steinwerkzeuge und Fleischkonsum.

aus: Neue Zürcher Zeitung, 12. 8. 2010

Hinweise auf Werkzeuggebrauch vor über drei Millionen Jahren

Ein internationales Forscherteam hat in Äthiopien 3,4 Millionen Jahre alte Knochen gefunden, von denen mit Steinwerkzeugen Fleisch abgeschabt worden ist.

Von Stephanie Kusma

Fleisch erfreut sich offenbar schon sehr lange einer gewissen Beliebtheit in der (früh)menschlichen Kost: In der jüngsten Ausgabe von «Nature» beschreiben Forscher zwei Tierknochen, von denen laut den Wissenschaftern mit Steinwerkzeugen Fleisch abgeschabt worden ist – und die mit etwa 3,4 Millionen Jahren gut 800 000 Jahre älter sind als die bisher ältesten bekannten Hinweise auf diese Praxis.

Klopf- und Schnittspuren

Das internationale Team hatte die Knochen Anfang 2009 im Awash-Tal in Äthiopien gefunden; ausführliche Untersuchungen ergaben, dass es sich bei den Einkerbungen, die den Forschern an den Fossilien aufgefallen waren, tatsächlich um Spuren einer Bearbeitung mit Steinen handelt. Das Team identifizierte Schnitt- und Klopfspuren an den Überresten, einem Stück einer Rippe eines mindestens kuhgrossen Huftieres und einem Oberschenkelknochen-Fragment eines etwa ziegengrossen, jungen Rinderartigen. Die Klopfspuren an Letzterem deuten laut Shannon McPherron vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, dem Erstautor der Studie, darauf hin, dass die Bearbeiter versuchten, an das Mark der Knochen zu gelangen; ähnliche Spuren an dem Rippenstück interpretieren die Forscher als Versuch, die Rippen aus ihrem Verbund herauszubrechen. Die Schnittspuren dürften entstanden sein, als Fleisch von den Knochen gekratzt und geschnitten wurde.

Diese bisher ältesten Hinweise und Belege für den Konsum von Fleisch und den Gebrauch von Steinwerkzeugen waren etwa 2,5 bis 2,6 Millionen Jahre alt, es handelt sich um Knochen mit Bearbeitungsspuren sowie entsprechende Steinwerkzeuge. Sie stammen ebenfalls aus Äthiopien. Da die Werkzeuge bereits recht ausgereift waren, gingen die Fachleute davon aus, dass es sich nicht um die ältesten dieser Instrumente handelte, sondern diese bereits vor einer Weile hergestellt worden waren. Dass die Frühmenschen allerdings bereits 800 000 Jahre früher Fleisch assen und Werkzeuge benutzten, dürfte laut McPherron wohl doch einige überraschen. Ob die Frühmenschen ihre Werkzeuge selbst herstellten oder lediglich geeignete Steine aufsammelten, lässt sich aufgrund der Funde nicht klären.

Verwandte «Lucys»

Dass der Konsum von Fleisch grosser Tiere und der Werkzeuggebrauch so lange zurückreichen, hat auch Konsequenzen für die Frage, welche Frühmenschen diese Aktivitäten als Erste ausübten. In der Awash-Region seien aus der Zeit vor etwa 3,4 Millionen Jahren nur Frühmenschen der Art Australopithecus afarensis bekannt, zu der die berühmte «Lucy» zählt, sagt McPherron. Dies heisse nicht, dass es nicht noch andere Hominiden-Species gegeben haben könnte, doch zurzeit sei das wahrscheinlichste Szenario, dass die nun beschriebenen Knochen von Artgenossen «Lucys» bearbeitet worden seien. Selbst erlegt hätten sie die Tiere aber vermutlich nicht, erklärt McPherron, sondern lediglich deren Kadaver ausgebeutet.

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siehe auch New York Times, 12. 8. 2010




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~ von Panther Ray - August 12, 2010.

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