Göttliche Wissenschaft.

aus: NZZ, 27. 5. 2010

lx. · Es ist vor allem der Sokrates-Schüler Xenophon, der den Begriff der «oikonomia» kosmologisch begründet und ausgelegt hat. Dass es eine «göttliche Weltökonomie» gibt, ist eine seit der Stoa über die Kirchenväter bis zum Aufkommen der neuzeitlichen Naturwissenschaften verbreitete Vorstellung. Der emeritierte Konstanzer Historiker Dieter Groh führt im zweiten Band seiner grossen Wissenschaftsgeschichte weiter die These aus, dass die modernen Wissenschaften nicht aus einem Prozess der Säkularisierung hervorgegangen sind, sondern aus dem Versuch, die «göttliche Weltökonomie» zu verstehen und zu reformulieren. Dass sich die Wissenschaften so sehr auf das Erkennen der regelhaften Abläufe in der Natur und in der Menschenwelt konzentriert haben, ist – für sich betrachtet – kein «wissenschaftliches» Phänomen, sondern einem teleologischen Denken zu verdanken, das nach den Spuren göttlichen Wirkens sucht. Wissenschaft geht immer davon aus, dass es einen grösseren Sinnzusammenhang, eine «Kosmologie» geben muss. Insofern ist Wissenschaft ein quasireligiöses Denken.

Dieter Groh: Göttliche Weltökonomie. Perspektiven der Wissenschaftlichen Revolution vom 15. bis 17. Jahrhundert. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2010. 738 S., Fr. 37.90.

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~ von Panther Ray - Mai 27, 2010.

Eine Antwort to “Göttliche Wissenschaft.”

  1. […] . Sein älterer Zeitgenosse David Hume hatte die Idee der Kausalität bereits zwar nicht für unrichtig, aber doch für rational unhaltbar erklärt. Die Vorstellung, dass das, was post hoc – nach-jetzt – geschieht, propter hoc geschähe: wegen-jetzt, sei eine bloße Gewohnheit der alltäglichen Anschauung ohne jeden vernünftigen Grund. Noch kein Mensch hat sich bei dem Satz, dass Etwas ist, „weil“ etwas Anderes vorher war, je wirklich etwas denken können – es sei denn, er hat sich einen Macher hinzugedacht. […]

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