Nie mehr als zwei auf einmal…

aus: Neue Zürcher, 29. 4. 2010

Multitasking fordert beide Hirnhälften

Bis maximal zwei Aufgaben gleichzeitig lösbar?

Immer mehr deutet darauf hin, dass Multitasking unser Gehirn überfordert. Jetzt wollen Forscher belegt haben warum: Das Gehirn hat nur zwei Hälften.

slz. · Beim E-Mail-Lesen mit der Kollegin ein Projekt besprechen und gleichzeitig noch den Einkaufszettel für die Woche planen – alltägliches «Multitasking». Doch Forscher sind zunehmend davon überzeugt, dass unser Gehirn sich hierfür eigentlich nicht eignet. So haben in Fahrsimulatoren die Probanden mehr Unfälle, die beim Fahren telefonieren, und die Fehlerzahl bei Computerübungen steigt, wenn mehrere Aufgaben parallel absolviert werden. Für Sylvain Charron und Etienne Koechlin von der Université Pierre et Marie Curie in Paris ist klar, warum dies so ist: Unser Gehirn besitzt nur zwei Hälften.

Als Beleg für ihre Hypothese haben sie Versuchspersonen Worterkennungsübungen am Computer machen lassen und gleichzeitig deren Gehirnaktivität im Kernspintomografen analysiert.¹ Musste nur eine Aufgabe bewältigt werden, waren diverse Regionen der Grosshirnrinde in beiden Hirnhälften aktiv. Musste jedoch die erste Aufgabe unterbrochen werden, um zwischendurch eine zweite zu erledigen, so kümmerte sich die linke Hirnhälfte um Aufgabe eins, die rechte hingegen um Übung zwei. Am deutlichsten war diese Aufteilung laut den Forschern in einer Hirnregion namens Präfrontalkortex.

Die räumlichen Unterschiede seien deshalb so eindeutig zuzuordnen gewesen, weil die Versuchspersonen für die richtige Lösung der Aufgaben unterschiedlich viel Geld bekamen – manchmal mehr für Aufgabe eins, manchmal mehr für Aufgabe zwei. Sei die Belohnung grösser gewesen, habe man im Kernspintomografen mehr Aktivität verzeichnet, erläutern die Forscher. Wurde also die erste Aufgabe besser belohnt, so war die linke Hirnhälfte aktiver, gab es hingegen mehr Geld für richtige Lösungen in der zweiten Aufgabe, dann war es die rechte Hirnhälfte.

Die Fehlerquote wuchs beim gleichzeitigen Lösen von zwei Aufgaben nur leicht. Musste aber auch noch eine dritte Aufgabe gelöst werden, stieg sie auf das Niveau von Zufallsantworten: Die Probanden rieten nur noch und überlegten nicht mehr. Dies sei zu erwarten, betonen die Forscher. Schliesslich stehe, während Übung drei absolviert werde, keine Gehirnregion mehr für das korrekte Zwischenspeichern der Informationen aus den Aufgaben eins und zwei zur Verfügung.

¹ Science 328, 360-363 (2010).

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~ von Panther Ray - April 30, 2010.

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