Neues von der Sonne.

Bilder des ewigen Brodelns

Ein neues Weltraumobservatorium, das „Solar Dynamics Observatory“, erkundet die Aktivität der Sonne mit bisher unerreichter Genauigkeit. Die ersten mit seinen Daten erstellten Filme und Bilder sind von bestechender Qualität.

aus: FAZ.NET, 29. April 2010

Die Sonne ist der einzige Stern in der näheren Umgebung der Milchstraße und somit auch der einzige, den die Astronomen im Detail studieren können. Trotzdem sind viele Prozesse, die in ihrem Innern und auf ihrer Oberfläche stattfinden – darunter die Kopplung von Magnetfeldern, Sonnenflecken und Strahlungsaktivitäten -, nur annähernd bekannt. Insbesondere das dynamische Verhalten der Sonne wollen die Forscher jetzt mit einem neuen Weltraumobservatorium, dem „Solar Dynamics Observatory“, besser erkunden.

Die ersten Bilder und Filme, die das Observatorium aufgenommen hat, sind von bisher unerreichter Qualität, wie diese Aufnahme des „Atmospheric Imaging Assembly“ belegt. Die Teleskope, die zu diesem Instrument zusammengefasst wurden, nehmen alle zehn Sekunden die gesamte Oberfläche des Himmelskörpers samt der aus ihm herausschießenden Materieströme in zehn Bereichen des Spektrums auf – einem optischen und neun ultravioletten.

Die Daten werden mit CCD-Kameras registriert, die mit 4096 mal 4096 Bildpunkten außerordentlich groß sind. Dabei können noch Strukturen auf der Sonne mit rund 725 Kilometern abgebildet werden. Die Farben der Bilder repräsentieren die jeweiligen Temperaturen, von rot („kühl“, um 60 000 Kelvin) bis zu blau und grün (mehr als eine Million Kelvin). Mit dem Sonnenobservatorium „Stereo“ benötigte man für jedes Bild noch drei Minuten und mit „Soho“ sogar zwölf Minuten.

Mit einem zweiten Instrument, dem „Helioseismic Magnetic Imager“, schauen die Forscher gleichsam in die Sonne hinein. Sie messen, wie dieser Stern als Folge akustischer Wellen, die durch Turbulenzen in seinem brodelnden Innern erzeugt werden, pulsiert – wie sich seine Oberfläche in schnellem Wechsel mal zu uns zuwölbt und dann wieder zurückzieht. Dieses helioseismische Verfahren ist den Geophysikern abgeschaut, die die Erde mit einem ähnlichen Verfahren erkunden.

Schnelle Veränderungen im Ultraviolettbereich

Als drittes Instrument befindet sich ein Sensor für die sogenannte extreme ultraviolette Strahlung („EUV Variability Experiment“) an Bord, der eine zeitliche Auflösung von zehn Sekunden und eine spektrale Auflösung von weniger als 0,1 Nanometer erreicht, was bislang auch nicht annähernd möglich war.

Das extreme Ultraviolett ist der Spektralbereich, in dem sich die Sonnenaktivität am variabelsten zeigt. Innerhalb von Sekunden kann die Strahlungsintensität auf ein Hundertstel fallen oder auf das Hundertfache steigen. Darauf reagiert die Hochatmosphäre der Erde – die Atmosphäre oberhalb von einigen hundert Kilometern – unverzüglich, so dass die extreme Ultraviolettstrahlung ein Maß für die solar-terrestrischen Beziehungen darstellt. Die neuen Daten könnten deshalb auch helfen, Weltraumstürme – den Beschuss der Erde mit energiereichen Teilchen von der Sonne, der ganze Stromversorgungssysteme lahmlegen kann – besser vorauszusagen. Alles in allem liefert das Observatorium jeden Tag etwa 1,5 Terabyte (eine Billion Byte) an Daten – auch das ein Wert, der bisherige Maßstäbe sprengt.

Quelle: Nasa

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~ von Panther Ray - April 23, 2010.

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