Kampf den Schamlosen, rettet die Privatheit!

schamlos

aus NZZ, 10. 10. 09:

upj. · Noch für Immanuel Kant galt das bei Francis Bacon entliehene Wort «De nobis ipsis silemus»: «Von uns selbst aber schweigen wir.» Seither sind mehr als zweihundert Jahre verflossen, und wir alle reden fröhlich – von uns selbst. Längst hat die Ausweitung der Intimsphäre in alle öffentlichen Bereiche stattgefunden. Scham, Diskretion und Zurückhaltung gelten nicht mehr als Tugenden, sondern zunehmend als soziale Defekte. Wir sitzen heute in einem Treibhaus der Schamlosigkeit, so der Berliner Publizist Martin Simons. Das Zurschaustellen des eigenen Privatlebens in den «sozialen Netzwerken» des Internets ist heute genauso üblich wie die Selbstentblössung dieses oder jenes «Prominenten» in den Boulevardmedien. Man kann kaum mehr in ein öffentliches Transportmittel steigen, ohne nicht sofort mit Menschen konfrontiert zu werden, die ihre Gefühle laut in ein Mobiltelefon hineinschreien. Wer wirklich privat sein will, muss es vor allem auch mit sich allein aushalten können.

Martin Simons: Vom Zauber des Privaten. Was wir verlieren, wenn wir alles offenbaren. Campus-Verlag, Frankfurt 2009. 159 S., Fr. 34.90.

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~ von Panther Ray - November 10, 2009.

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