Das Ergebnis.

piratenbucht

22. 15 Uhr

Am Morgen nach der Europawahl haben wir uns zwei Prozent bei der Bundestagswahl als Traumergebnis gewünscht. Nach dem dynamischen Wahlkampfauftritt und seiner unerwarteten Resonanz in der Öffentlichkeit kommen nun zwei Prozent manch einem eher mittelmäßig vor. Einige hatten ja schon erwogen, ob und mit wem eine Koalition in Frage käme…

Insgesamt ist das Wahlergebnis gar nicht so schlecht. Es ist momentan das einzige, das für klare Verhältnisse sorgt. Alle anderen hätten für dichte Rauchschleier gesorgt, unter denen die Wurschtelei weiter gegangen wäre. Abgesehen vielleicht von der unwahrscheinlichen Jamaica-Variante, die jeden Tag eine neue Überraschung hätte bringen können.

Gut ist, dass dieses Ergebnis für Schäuble und Zensursula schlecht ist. Auf die Sozialdemokraten konnten sie sich verlassen. Deren Liberalität war und ist immer nur für die Galerie. Tief im Herzen glauben sie an Mehr Staat. Mit der FDP wird es jetzt schwieriger. Die muss Acht geben, dass sie die Prozente, die sie diesmal der CDU abgenommen hat, nicht beim nächsten Mal an die Piraten verliert.

Denn für die wird es ein nächstes Mal geben, dafür war ihr Stimmergebnis gut genug. Aber von alleine kommt das nächste Mal nicht. Sie muss in den kommenden vier Jahren ein Profil gewinnen. Ein-Punkt-Partei war für diesen Einstand ausreichend. Auf diesem einen Punkt konnten sich Leute, die ansonsten eher ‚links‘ sind, mit Leuten treffen, die eigentlich eher konservativ denken.

"Weder links noch rechts, sondern vorn" wird nur dann vier Jahre lang halten – und dann noch länger -, wenn geklärt wird, wo Vorne ist. Das Internet allein  reicht als Programm nicht aus – weil es nämlich selber nur die sichtbare Spitze jenes Eisbergs ist, den die Sprecher der Piratenpartei während des Wahlkampfs sehr richtig die Digitale Revolution genannt haben. Die ergreift alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Es ergreift sie so, dass alle Wertungen, die uns aus zehntausend Jahren Arbeitsgesellschaft angestammt sind, Kontur und Farbe verlieren. Es gibt kaum ein  Thema, das in der kommenden Welt nicht einer gründlichen Revision unterzogen werden wird. Die überkommenen Parteien, die aus dem zwanzigsten, neunzehnten Jahrhundert stammen, sind dafür nicht gerüstet und legen offenbar auch keinen
Wert darauf.

Die Piratenpatei muss nicht von sich verlangen, in den nächsten vier Jahren ein fix und fertiges Programm für den "Zukunftsstaat" auszutüfteln. Auch in vier Jahren wird sie sich nicht zu der Instanz entwickelt haben, die auf alles die richtigen Antworten gibt (und später, nehme ich an, auch nicht). Sie soll sich aber in diesen vier Jahren als das Laboratorium bewähren, wo an den richtigen Fragen gearbeitet wird. Dann wird bei der nächsten Bundentagswahl kein Weg an ihr vorbei führen.

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~ von Panther Ray - September 27, 2009.

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