Das Ding-an-sich ist das Ding, wie es ästhetisch erscheint (bis)

(January 3, 2009)

Ästhetisch betrachtet (unterm Gesichtspunkt des Schönen) sehen die Dinge so aus, als ob sie, über ihren logisch-operationellen Verweisungszusammen-hang mit den andern Dingen der Welt hinaus, eine eigene Bedeutung an und für sich selber in Anspruch nehmen wollten; also ohne Verweisung auf Anderes; ohne (durch anderes) bezeichnet werden zu können. Indes, de singularibus non est scientia. Ästhetisch steht ein jedes nur für sich, es kann darüber nichts gesagt werden – man kann es lediglich ‚betrachten’.

Anders gesagt, das Ding-an-sich ist (s)ein ästhetischer Schein; oder: Nur das, was „an“ dem Ding als ästhetisch erscheint, ist „an sich“. (Das Ding an sich ist das Ding, wie es ästhetisch erscheint; oder: An sich ist das Ding nur in ästhetischer Hinsicht; in jeder andern ist es immer für irgend ein anderes.- Die einzigen Qualitäten, die dem Ding ‚an sich’ zukommen, sind die ästhetischen; freilich auch nur, sofern sie wahrgenommen werden. – Für uns ist das Ansich nur als ein ästhetischer Schein…)

Man kann sagen, ästhetisch gesehen, ist das Ding über-bestimmt; singularisiert: bis zur Unbestimmtheit bestimmt, da aus dem Zusammenhang mit Anderm ausgeschieden. (Bestimmung = Lokalisierung im allgemeinen Verweisungsgeflecht des Sprachspiels) In der ästhetischen Betrachtung erscheint aber der ästhetische Schein als Schein; insofern ist Kunst (als spezifisch ästhetische Praxis) „immer kritisch“; aber im transzendentalphilosophischen Sinn, nicht im politischen. Will sagen, sie ist ironisch, aber nicht satirisch.

Aller positiven Metaphysik ist das Ästhetische daher ein Ärgernis; weshalb sie es zu naturalisieren oder zu logifizieren sucht – oder beides zugleich, wie bei Hegel.

Nota. Ästhetisch wahrgenommen werden nicht die Sinnenreize, sondern ihre Gestaltqualität; werden nicht perzipiert, sondern konzipiert. Das Ästhetische ist keine sachliche Eigenschaft, sondern eine Erlebensqualität.


Das war ein Witz. Wenn ich mir von der Erscheinung alles weg denke, das in irgendeinem Verhältnis zu meinen Absichten stehen könnte,  dann bleibt übrig… die Erscheinung selbst. Aber eben immer: Erscheinung.  Also immerhin all das, was – „absichtslos“ – mein Sehen, Hören, Riechen, Fühlen, Schmecken affizieren könnte. Es bleibt immer zurück – die ästhetische „Seite“.

Wenn ich von der auch noch abstrahiere, abstrahiere ich von der Erscheinung selbst, und übrig bleibt kein „Ding an sich“ – das eben dadurch (negativ) „bestimmt“ wäre, dass es „keiner Erfahrung zugänglich“ ist, sondern… kein Ding. Und tatsächlich beruht die Annahme, dass es (wer ist das?) ein Ding-an-sich geben (was ist das?) könnte, auf der Anschauung, dass das Ding „da“ ist, bevor und ohne dass ich irgend eine Absicht auf es richtete; wenn ich es nämlich lediglich betrachte.*

„Witz ist eine ernste Sache“, sagt Fichte.
_________________________________________________________
*) gr. theoría=Betrachtung; seit Plotin* als Gegensatz zur prãxis aufgefasst.
*) Aristoteles denkt überhaupt nicht in Gegensätzen. Bei ihm werden beide lediglich unterschieden. Einander entgegen gesetzt werden sie erst bei Pl.

____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Advertisements

~ von Panther Ray - Februar 14, 2009.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: