Ob es Wahrheit gibt…?

Offenbarung?

Die Frage, ob es Wahrheit überhaupt gibt, ist Unfug. Die Antwort darauf wäre, wie immer sie ausfiele, wahr oder un-wahr. So kann man nur fragen, weil man sich von der Wahrheit längst eine Idee gemacht – und also die Antwort „in Wahrheit“ schon vorausgesetzt hat.

Da ‚es’ Wahrheit also ‚geben’ soll, ‚muß’ sie einen Grund haben. Und der muß sich in unserm Wissen auch auffinden lassen. Nicht so zwar, als ob er darin als eines seiner Stücke selber vorkäme; sondern als das, was übrigbleibt, wenn von allen tatsächlichen Wissensgehalten abgesehen wird: die allgemeine Form des Wissens überhaupt. Formen sind in Zeitlosigkeit geronnene Handlungen, in der Geometrie wie in der Logik. Der Grund des Wissens muß ein ursprünglicher Akt sein, actus purus. Er kann nichts anderes sein als jene ‚Tathandlung’, durch die das wirkliche Erleben sich ‚anschaut’ als eine Anteilnahme des Einen am Andern – wie an einer Aufgabe. Die Ur-Teilung von Ich und Welt „gibt es“ nur als Problem. Es stellt sich dem, der es sich stellt. Es einem andern andemonstrieren kann er nicht. Aber er kann davon erzählen, als ob es ihm widerfahren wäre, wie einen Mythos: So muß es gewesen sein! Wissen, das darauf „gründet“, bleibt problematisch. Daß es einen Sinn gibt in der Welt, ist eine Behauptung, die sich immer erst noch erweisen muß.

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~ von Panther Ray - Februar 8, 2009.

2 Antworten to “Ob es Wahrheit gibt…?”

  1. Verhält sich Erkenntnis nicht vergleichbar einem durch Operatoren und deren Anwendung erst konstituierten Raum der Zuordnungsmöglichkeiten, ähnlich wie ein Zahlenkörper. Und dieser Raum mit den ihn erst erschaffenden (Denk-) Operationen angewendet auf das zu Erkennende, macht es doch erst möglich Zulässiges von Unzulässigem, Wahres von Un-Wahrem zu unterscheiden, mit anderen Worten zu erkennen. Erkenntnis(-möglichkeit) als etwas vor dem eigentlichen Akt des Erkennens bestehendes aufzufassen, wie etwas objektiv Seiendes, an dem wir Anteil nehmen und diese Anteilnahme beispielsweise als beschränkt empfinden könnten, fällt mir äußerst schwer.

    Passend noch ein wenig Nietzsche:

    Gram ist Erkenntnis. – Wie gern möchte man die falschen Behauptungen der Priester, es gebe einen Gott, der das Gute von uns verlange, Wächter und Zeuge jeder Handlung, jedes Augenblicks, jedes Gedankens sei, der uns liebe, in allem Unglück unser Bestes wolle, – wie gern möchte man diese mit Wahrheiten vertauschen, welche ebenso heilsam, beruhigend und wohltuend wären wie jene Irrtümer! Doch solche Wahrheiten gibt es nicht; die Philosophie kann ihnen höchstens wiederum metaphysische Scheinbarkeiten (im Grunde ebenfalls Unwahrheiten) entgegensetzen. […] woraus also die Gefahr entsteht, dass der Mensch sich an der erkannten Wahrheit verblute. Dies gedrückt Byron in unsterblichen Versen aus:
    Sorrow is knowledge: they who know the most
    Must mourn the deepest o’er the fatal truth,
    The Tree of Knowledge ist not that of Life.
    […]
    (Menschliches Allzumenschliches, I., 109.)

    • Wo haben Sie so etwas gelesen: „Erkenntnis(-möglichkeit) als etwas vor dem eigentlichen Akt des Erkennens bestehendes aufzufassen, wie etwas objektiv Seiendes, an dem wir Anteil nehmen…“? Bei mir?

      Ich verwechsle nicht Transzendentalphilosophie mit Plato’schem Ideen-Realismus. Wenn Sie diesen Eindruck aus diesem einen Text von mir gewonnen haben, möchte ich Sie bitten, sich doch auch noch ein paar andere Texte von mir anzusehen. Da wird sich das Missverständnis gewiss klären.

      Aber schon in diesem Text weise ich Sie auf die Formulierung actus purus hin. Von conceptio determinata zu reden, läge mir unendlich ferne.

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