Der wichtigste Beitrag des Christentums zum Abendland war die weltliche Macht seiner Kirche.

Aachener Dom

Der bedeutendste Beitrag des Christentums zum Abendland war die Verbindung des Monotheismus mit einem sakramentalen Priestertum.

… ?

Erst diese Verbindung hat die Entstehung einer Kirche mit universellem Anspruch möglich gemacht. Warum unter den vielen konkurrierenden Religionen des römischen Reichs sich gerade das Christentum durchsetzen konnte, ist eine viel diskutierte Frage. Dass Kaiser Konstantin sich zu dieser Sekte bekehrte, hätte historisch ebenso folgenlos bleiben können, wie das Sol invictus; römische MünzeBekenntnis seines Vorgängers Aurelian zu Sol invictus das der ja auch zum Staatskult erhoben hatte. Dass es das nicht blieb, hat seinerseits mit dem universellen Charakter dieser Lehre zu tun.

Als das römische Reich aus einander fiel, blieb als einzig verbindende zivilisierende Instanz in Europa die römische Geistlichkeit zurück. Dass nicht alle römischen Städte jenseits er Alpen von den Barbaren ausradiert wurden, verdanken sie den Bischofssitzen. Ohne sie war das Erbe der antiken Kultur für die neuen germanischen Reiche nicht zu retten. Das erkannte Karl der Große – als die römische Kirche die einzige Macht war, die ihm in Europa noch entgegenstand. Durch das Bündnis mit ihr unterlegte er seinem Reich eine Verwaltungsstruktur, die es vor dem alsbaldigen Zerfall bewahrte, der alle andern germanischen Staatsgründungen traf. Nicht zu reden von der unvergleichlichen Macht, die die Reichsidee durch ihre geistliche Weihe hinzu gewann.

der Königsthron im Aachener Dom

Allerdings machte er das Kaisertum ebenso von der Kirche abhängig, wie diese von ihm, und wie das ausging, ist bekannt.

Aber gerade dies macht den abendländischen Sonderweg aus: dass sich das geistige Leben aus der Verquickung mit dem religiösen Glauben befreien konnte, weil sich die weltliche Macht in der Kirche einem Nebenbuhler gegenüber sah, aus dessen Umarmung sie sich lösen und den sie sich zu unterwerfen hatte. Nur im christliche Europa war der Mensch zwei ebenbürtigen Autoritäten zugleich hörig, nirgends sonst war die willige Unterwerfung unter den Herrscher der Welt nur mit bösem Gewissen möglich, nirgends sonst stand der weltliche Geist allezeit unter dem Schutz eines Arms, der ein Schwert hielt.

martin_luther-wartburg

Der sächsische Kurfürst hat Luther beschützt. Zum Dank haben die Lutheraner ihre Landesfürsten zu Landesbischöfen gemacht. Der Reformation verdankt Europa den Aufbruch ins wissenschaftliche Zeitalter, und verdankt das nördliche Deutschland die selbstgerechte Bigotterie seiner Bürgerschaften, die dort bis heut die Kehlen schnürt.

Gérard Dpardieu als Tartuffe, 1984

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So viel zur Hardware. Zur Software, dem eigentlich geistlichen Teil, siehe jedoch: Der Beitrag des Christentums zum Abendland

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~ von Panther Ray - Januar 22, 2009.

Eine Antwort to “Der wichtigste Beitrag des Christentums zum Abendland war die weltliche Macht seiner Kirche.”

  1. Und nochmal in brutalstmöglicher Schlichtheit: Man kan die Kirche nur dann vom Staat trennen, wenn es eine gibt.

    Islam und Judentum sind monotheistische Religionen. Aber sie kennen kein sakrales Priestertum und daher keine Kirche. Die Länder, in denen sie vorherrschen, vom politischen Einfluss ihrer Pfaffen zu reinigen, ist wie das Meer mit einem Teelöffel ausschöpfen.

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