Das Ökonomische ist die Ent-Fremdung der Welt.

Utopia; Darstellung vom Anfang d. 19. Jahrhunderts

„Entfremdung“ – Die Entzauberung der Welt sei (nach Max Weber) Charakter der Moderne, alias bürgerliche Gesellschaft: Rationalisierung, Funktionalisierung; Fungibilisierung, „Aneignung“. – Es ist nämlich so, daß sich der Mensch nicht „zu Hause“ fühlt in einer Welt, die nicht fremd, sondern „seine eigne“ ist! Die Besonderheit in der Okavango-BeckenGattungs- geschichte von Homo, der Kick, der die Homini- sation ‚in Gang gesetzt’ hat, war sein Austritt aus dem vertrauten Urwald in die fremde Baumsavanne Ostafrikas: aus der Umwelt-Nische in die Welt. Die fremde Welt ist wesentlich reizend! Je weiter die (‚ökonomische’) Arbeit die ‚Welt’ immer weiter zur bloßen Umwelt fungibilisiert, banalisiert hat, umso mehr mußte die (’ästhetische’) Kunst an deren Fremdheit erinnern. Eibl-Eibesfeld mutmaßt, die weltweite (!) ästhetische Vorliebe für den Landschaftsgarten (von Claude Lorrain bis Japan) sei ‚nichts anderes’ als eine genetisch eingeprägte Erinnerung an die ostafrikanische Baumsavanne vor 2 Mio. Jahren…

Landschaftspark Fürstlich Drehna

Das Ästhetische (zweckmäßig ohne Zweck) ist also der bestimmte Gegensatz des Ökonomischen (zweckmäßig mit Zweck). Es ist derjenige ‚Teil’ (‚Dimension’) der Welt, der nicht-angeeignet ist; nicht beherrscht (quantitativ); nicht beherrschbar (qualitativ). –

Das Nicht-Beherrschte ‚zerfällt’ in einen Teil, der „so angesehen wird, als ob“ er eines Tages beherrscht sein wird (und ergo virtuell schon bestimmt ist), und einen andern Teil, der so erscheint, als werde er nie beherrscht und nie bestimmt sein: als in bestimmter Weise unbestimmt; und eo ipso als Rätsel. Dieser Gegensatz ist nicht ursprünglich. Ursprünglich ist die ‚Welt’ nur eine.

Nota: Die Welt (diu wereld: dort, wo die Menschen hausen) ist eher da als die „Umwelt“! Der Mensch ist nicht nur das einzige Lebewesen, das „Welt hat“, sondern auch das einzige, das ‚von Natur’ keine Umwelt hat (hat Pleßner übersehen). Nämlich seit er seinen heimischen Regenwald verlassen und in die offene Savanne „übergelaufen“ ist und eine vagante Lebensweise angenommen hat: Die Savanne ist ihm keine „Umwelt“, ist keine „Nische“ [er hat sich ihr nicht durch ‚natürliche Zuchtwahl’ evolutiv angepaßt], sondern der Weg zwischen den möglichen Nischen; Okavango LuftbildZwischenraum, in dem er sich immer nur vorübergehend niederläßt, aber nicht einrichtet! In ihr bleibt er immer „fremd“, aber in unbestimmter Weise, weil er den bestimmenden Gegensatz „Zuhause“ (noch) gar nicht (mehr) kennt.

[Erste (?) Fixpunkte: die rituell genutzten und bemalten Höhlen! Auch erste „Kunst“: Ästhetik jenseits der alltäglichen ‚Welt’…] –

Eine ‚Umwelt’, in die er ‚hineinpaßt’, weil er hinein gehört, muß er sich erst selber schaffen: Seßhaftigkeit, Ackerbau, Arbeit! Retour à la case départ: Dort, wo er arbeitet, ist die Welt bestimmt, oder immerhin bestimmbar. Was jenseits der Arbeit („Praxis“) liegt, läßt sich allenfalls betrachten („Theorie!); welches die ästhetische Anschauungweise ist. –

Die Vorstellung des positivistischenPlattenbau Cottbus Jahrhunderts: den Raum der Arbeit aus- dehnen, bis er mit den Grenzen der Welt zusammen- fällt; „Entzaube- ung“, sagt Max Weber. Die Welt aneignen: Zu meiner Umwelt fungibilisieren; „bestimmen“. (DDR!)

Und was nicht-bestimmbar ist, läßt sich nicht ex ante definieren, sondern nur ex post praktisch erweisen, negativ: indem man das Bestimmen versucht und daran scheitert. Was das Ästhetische sei, „zeigt sich“… Zuerst war die Welt nur unbestimmt. Ihren Rätselcharakter gewinnt sie mit fortschreitender Bestimmung – als der widerständige Rest, caput mortuum; und der wird eo ipso immer bestimmter – als unbestimmt; d. h. als Rätsel…

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~ von Panther Ray - Januar 11, 2009.

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