Der Philosoph und der Kindskopf

knabe

Das Kind staunt über alles, und das ist der Anfang der Philosophie – darüber waren sich Plato und Aristoteles einig. Der Kindskopf staunt nicht mehr, er weiß mit der Philosophie schon Bescheid.Léopold Boilly, Selbstbildnis

Sie ist ihm ein Kaufhauskatalog mit vielen schönen Angeboten, da sucht er sich eins aus, das ihm am besten gefällt: Er „wählt einen philosophischen Standpunkt“. Das ist schön für ihn und sei ihm gegönnt. Es ist sein Privatvergnügen, und dabei soll es bleiben. Er kann in einem Chatroom darüber plaudern wie über vegetarische Ernährung und oder Hundeaufzucht. Mit Philosophie hat es nichts zu tun.

Der Philosoph sichtet das überkommene gedankliche Erbe und unterzieht die vorgetragenen Gründe, so gut er kann, seiner Prüfung; wobei er, wo immer er staunt, nicht zögert, einen erfahrenen Mann vom Fach zu Rat zu ziehen. Und wenn er Glück hat und wenn er nicht locker lässt, kommt er irgendwann zu eigenen Ergebnissen. disputatioDie stellt er, wie er kann, öffentlich zur Diskussion. Da wird man ihm vielleicht bedeuten, dass er bei seiner kritischen Sichtung der Gründe was Wesentliches übersehen habe und dass er noch mal neu anfangen solle. Oder man wird ihm sagen, dass seine Ergebnisse vor ihm schon von andern vorgetragen und von wieder anderen bereits widerlegt worden seien. Da wird er, wenn es zutrifft, von sich aus neu anfangen.

Das ist der Unterschied zwischen einem Kindskopf und einem Philosophen – und allen, die es werden wollen.

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~ von Panther Ray - November 16, 2008.

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