Der dritte Zustand der Künstler und Philosophen.

schwerelos

Das Bedürfnis zwingt uns zur Arbeit, mit deren Ertrag das Bedürfnis gestillt wird; das immer neue Erwachen des Bedürfnisses gewöhnt uns an die Arbeit. In den Pausen aber, in welchen die Bedürfnisse gestillt sind und gleichsam schlafen, überfällt uns die Langeweile. Um der Langeweile zu entgehen, arbeitet der Mensch entweder über das Maß seiner sonstigen Bedürfnis hinaus oder er erfindet das Spiel, das heißt die Arbeit, welche kein anderes Bedürfnis stillen soll als das nach Arbeit überhaupt. Wer des Spieles überdrüssig geworden ist und durch neue Bedürfnisse keinen Grund zur Arbeit hat, den überfällt mitunter das Verlangen nach einem dritten Zustand, welcher sich zum Spiel verhält wie das Schweben zum Tanzen, wie Tanzen zum Gehen – nach einer seligen ruhigen Bewegtheit: es ist die Vision der Künstler und Philosophen vom Glück.

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Friedrich Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches N°611


~ von Bertel Weber-Knecht am Juni 15, 2009.

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