Bedeutung ist dasjenige ‘an’ den Dingen…

•November 6, 2009 • Kommentar schreiben

…was zum Bestimmungsgrund für mein Handeln werden könnte; mich veranlassen kann, mein Leben so oder anders zu führen. Die Bedeutung eines Dinges feststellen heißt urteilen. „Der Mensch muss urteilen“ und „der Mensch muss handeln“ bedeuten dasselbe. Handeln heißt nicht bloß ‘etwas tun’ (das tut das Tier auch), sondern: einen Grund dafür haben.

Affenkultur.

•November 4, 2009 • Kommentar schreiben

schimpanse werkzeug
22. Oktober 2009, 18:25, NZZ Online
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Kulturelle Unterschiede bei Schimpansen bestätigt

Ein experimenteller Ansatz

Schimpansen haben kulturelles Wissen, das sie auch an ihre Nachkommen und neue Gruppenmitglieder weitergeben, das wurde bereits oft beobachtet. Eine internationale Forschergruppe hat diese Beobachtungen nun mit einem experimentellen Ansatz bestätigt.

(sda)/lsl. Seit langem ist es eine Streitfrage, ob unterschiedliche Verhaltensweisen in verschiedenen Affen-Populationen genetisch oder durch die Umwelt geprägt sind oder etwa durch soziales Lernen entstehen. Um dies zu überprüfen untersuchten die Forscher zwei genetisch fast identische Schimpansengruppen in Uganda unter experimentellen Bedingungen der Honig-Aufnahme.

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Unterschiedlicher Werkzeuggebrauch

Eine Population aus dem Waldgebiet Kibale Forest benutzt oft Stöcke um an Honig heranzukommen eine andere aus dem benachbarten Budongo Forest verwendet dafür eher ihre Finger. Die Forscher hatten für ihren Versuch ein Loch in den Stamm gebohrt und den Honig darin versteckt. Neu an der Situation war die Form und Ausrichtung des Loches und der Honig, welcher flüssig war und sich nicht wie in der Natur in Waben befand. So stellte die Suche nach dem versteckten Honig für beide Gruppen unter den gleichen Bedingungen eine neue Aufgabe dar, die sie unterschiedlich lösten.

Jene Affen, die auch sonst Stöcke benutzen, um den Honig zu erreichen, taten dies auch in der neuen Situation, die anderen benutzten ihre Finger. Wenn diese nicht lang genug waren probierten sie es mit Blättern. Indem sie diese zerkauten und als Schwamm benutzten, wie sie es üblicherweise zur Wasseraufnahme aus Löchern machen. Es sei überraschend, wie rasch die Tiere ihre Lösungen fanden, sagte Klaus Zuberbühler von der schottischen Universität St. Andrew.

«Der kulturelle Unterschied muss daher tief verwurzelt sein», sagte Zuberbühler. Die logischste Erklärung für die Unterschiede ist laut ihm, dass die Schimpansen auf bereits vorliegendes kulturelles Wissen zurückgreifen, um die Aufgabe zu lösen. In diesem Fall sei die Kultur durch soziales Lernen und nicht von «Versuch und Irrtum» geprägt.


23. Mai 2002

Forscher graben Schimpansen-Werkstatt aus

Wissenschaftler untersuchen mit archäologischen Methoden, wie die Affen im westafrikanischen Regenwald harte Nüsse knacken

Westafrikanische Schimpansen benutzen Steine und Äste als Hämmer, um damit Nüsse zu knacken. Mit den zum Teil sehr schweren Werkzeugen arbeiten die Tiere während der vier Monate dauernden Nussernte täglich bis zu zwei Stunden lang. Wie alt ist dieses Verhalten? Haben sich die Techniken des Nussknackens im Laufe der Zeit verändert? Prof. Christophe Boesch vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig sowie Prof. Julio Mercader und Prof. Melissa Panger von der George Washington Universität haben in der Republik Elfenbeinküste zum ersten Mal eine mehr als hundert Jahre alte „Nussknacker-Werkstatt“ der Schimpansen ausgegraben (Science, 24. Mai 2002).

Seit 1979 studieren Christophe und Hedwige Boesch die Schimpansen des Taï National Park im Regenwald des westafrikanischen Staates Elfenbeinküste. Das Forscherehepaar hat herausgefunden, dass Jungtiere das Nussknacken erst nach mehreren Jahren beherrschen; während dieser Lernphase teilen Mütter ihre Nüsse mit den Jungen. Die Technik des Nussknackens scheint nur unter den Schimpansen der westlichen Elfenbeinküste, Liberias und des südlichen Guinea-Conakry verbreitet zu sein – ist also eine Art kulturelles Verhalten und erlaubt es, eine Affen-Population von der anderen zu unterscheiden.

Von ihren Müttern lernen die jungen Schimpansen den Gebrauch von Werkzeug beim Öffnen der Nüsse Bild 1: Von ihren Müttern lernen die jungen Schimpansen den Gebrauch von Werkzeug beim Öffnen der Nüsse. Foto: Christophe Boesch (Abdruck nur mit Genehmigung des Autors)

In ihrem jüngsten Projekt begaben sich die Wissenschaftler auf Spurensuche in die Vergangenheit. Dabei wandten sie zum ersten Mal archäologische Methoden auf eine nicht-menschliche Spezies an. Zunächst mussten sich die Verhaltensforscher Christophe Boesch und Melissa Panger sowie Julio Mercader, Spezialist für die Archäologie des Regenwalds, für eine geeignete Grabungsstätte entscheiden. Als Grundlage dienten detaillierte Aufzeichnungen von bekannten „Nussknacker-Werkstätten“. Die Wissenschaftler wählten einen Ort, an dem im Laufe vieler Jahre immer wieder Schimpansen gesehen wurden, die zum Knacken der sehr harten Nuss Panda oleosa Hammersteine benutzten.

Die Zusammenarbeit zwischen den Primatologen und dem Archäologen erwies sich von Anfang an als fruchtbar: Christophe Boesch hatte schon früher bemerkt, dass von Steinstücken, die als Hämmer gebraucht werden, mehr oder weniger große Stücke absplittern; jetzt sah das geschulte Auge von Julio Mercader wenige Zentimeter große Splitter, die offenbar durch das Lösen von Steinstücken während des Nussknackens entstanden waren. Die Verbreitung der Überreste war nicht willkürlich, sondern zeigte örtlich gehäufte Schalen und Steinreste. Die Verteilung dieser Relikte entsprach dem, was Archäologen als „activity areas“ bezeichnen.

Die geborgenen Steinreste wurden von Schimpansen unabsichtlich produziert, während sie mit Hammersteinen gegen hölzerne Ambosse schlugen. Insgesamt fanden die Forscher 479 Steinstücke, einige davon 21 Zentimeter tief im Boden. Ein faszinierender Aspekt dieser Entdeckung: Die Größe der Steine, die Form der Abschlagsplitter und die vielen kleinen Trümmer ähneln jenen Steinen, die einige unserer frühen Vorfahren in Ostafrika in der so genannten Oldovan-Zeit (vor 2,5 bis 2 Millionen Jahren) hinterlassen haben. Darüber hinaus gleichen die Anzahl der Steine pro Quadratmeter und die Größe der Steinhaufen einigen Sammlungen aus dieser Epoche.

Julio Mercader bei Grabungen an der Stelle "Panda 100" Bild 2: Julio Mercader bei Grabungen an der Stelle „Panda 100″.Foto: Julio Mercader

Besonders interessant war die Ausgrabung „Panda 100″ nahe eines riesigen, abgestorbenen Baums: Dort hatten Hedwige und Christophe Boesch viele Jahre lang Schimpansen beobachtet, die über Hunderte von Metern unterschiedliche Steine, die unter anderen Panda-Bäumen lagen, heranschleppten, um damit Nüsse zu knacken. Aufgrund der geringen Sichtweite über den Boden des Regenwaldes müssen Schimpansen die kürzeste Transportroute im Kopf haben und die „Beförderungskosten“ minimieren. Archäologische Daten zeigen außerdem, dass Schimpansen Felsen aus verschiedenen Landschaftsbereichen holen und sie in ihre „Werkstätten“ bringen.

Das zu Tage geförderte Material umfasst mehr als vier Kilogramm Steinstücke und beinahe vierzig Kilogramm Nussschalen. Nicht zuletzt wegen dieser angehäuften Müllberge, wie sie auch bei Grabungen menschlicher Kulturen immer wieder gefunden werden, sprechen die Archäologen von einer „Stätte“. Da „Panda 100″ höchst wahrscheinlich älter als hundert Jahre ist, belegt, dass Nussknacken in dieser Region des Regenwalds bereits seit Generationen gepflegt wird.

Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für viele Disziplinen – einschließlich Primatologie, Archäologie und Paläoanthropologie. Vielleicht können einige der technologisch einfachsten Oldovan-Stätten als Nussknackerstellen neu interpretiert werden. Außerdem deutet ein Teil der Artefakte aus den höher entwickelten Oldovan-Sammlungen darauf hin, dass die frühen Hominiden „harte Nahrung“ zu sich genommen haben. „Unsere Arbeiten verdeutlichen, wie viel mehr wir noch über den Schimpansen als unseren nächsten lebenden Verwandten lernen müssen, um die Einzigartigkeit der Menschheit zu verstehen“, sagt Christophe Boesch.

Der Mensch muss sein Leben FÜHREN

•November 2, 2009 • Kommentar schreiben

Leben ist für die Wissenschaft gleich Stoffwechsel plus Fortpflanzung. Allein, der Mensch kann sich unter allen Kreaturen nicht damit begnügen. Weil er nicht mehr in einer geschlossenen Umwelt zu Hause ist, die ihm seine Bestimmung vorgibt, sondern in einer offenen Welt, wo er sein Leben führen muss – und das ist ein Problem. Nur weil er es hat, sagt er „ich“. Es ist die Conditio humana selbst und liegt offenbar jenseits der Naturwissenschaft.

Die Idee der Kausalität ist so antropomorph wie die Idee Gottes.

•Oktober 29, 2009 • Kommentar schreiben

Amun, ägyptischer Schöpfergott

Es ist doch fürwahr zum Erstaunen, daß man auf die dunkeln Vorstellungen von Ursachen den Glauben an einen Gott gebaut hat, von dem wir nichts wissen, und nichts wissen können, denn alles Schließen auf einen Urheber der Welt ist immer Anthropomorphismus.

Caravaggio, Narziß

Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher Heft J, N°944

Der Mensch kann nein sagen.

•Oktober 26, 2009 • Kommentar schreiben


Natürlich kann der Erhaltungswert einer Sache für mich zu einem Urteilsgrund werden. Aber er muss nicht. Der Mensch kann Nein sagen. Kritik, wie Krisis, kommt von gr. krínein, entscheiden. Der Mensch ist das kritische Tier, das Wesen, das allezeit urteilt, weil es sich stets entscheiden muß. Die Erscheinungen, zu denen er -, die Situationen, in denen er Ja oder Nein sagen muss, erheischen Maßstäbe: Bedeutungen, unter die er sie fassen kann. Die hat er im Laufe seiner Geschichte in Symbolen fixiert und zerbrochenin ein Repertoire gefügt, wo sie ihm vorrätig sind. Jetzt sieht es so aus, als seien die Bedeutungen vor den Dingen da. Die symbolische Form verleiht ihnen einen Anschein von Dauer und Wahrheit, die ihnen doch nur zukommen, wenn und inwiefern sie in realen Situationen je aktualisiert werden: im handelnden Urteil. Und dann ist es „so, als ob“ er sie jedesmal neu erfunden hätte. Denn er hätte, wohlgemerkt, auch Nein sagen können.

Sinn ist nur, wo gezweifelt wird.

•Oktober 23, 2009 • Kommentar schreiben

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Ein Sinn, der „sich von selbst versteht“, ist keiner. Jedenfalls nicht ‘für mich’, sondern nur für den mich beobachtenden Wissenschaftler (der persönlich gar nix davon hat). Sinn wird erst, sobald an ihm gezweifelt wurde. Und er bleibt nur, solange nach ihm gefragt wird. Er ist das Ureigenste von ‘meiner’ Welt, über das ich in ‘unserer’ Welt bestenfalls Geschichten erzählen kann; Romane schreiben, Lieder singen, Bilder malen.

Hieronymus Bosch, aus Die Versuchung des hl. Antonius


…ist das Maß aller Dinge?

•Oktober 21, 2009 • Kommentar schreiben

Es ist eine Frage der Selbstachtung. Ein Leben, das sein Maß nicht außer sich sucht, ist ohne Würde. So lebt der Wurm.

wurm


Der Mensch ist ein Luxus der Natur.

•Oktober 19, 2009 • Kommentar schreiben

fragend

Der springende Punkt: Der Mensch kann nach Bedeutung fragen, weil er muss. Muss der Gorilla nicht. Er kann es "lernen", wenn es ihm im Labor beigebracht wird – vom Menschen. Die Laborsituation ist für den Gorilla eine ‘luxurierende’. Die bemerkenswerten Fähigkeiten, die Menschenaffen im Labor antrainiert werden können, weisen darauf hin, dass ihre Gehirne viel mehr ‘vermögen’, als ihre natürliche Umwelt ihnen abverlangt. Da sind offenbar Reserven, die aktualisiert werden können.

Das widerspricht vor allem dem philiströsen Dogma von der Natur als einer Ökonomin: "Die Natur verschwendet nix", und wie die Platitüden alle lauten. Adolf Portmann hat den Begriff der Hypertelie ("übers Ziel hinaus") in die Biologie eingeführt. Durch ihn wird vieles verständlich, was in mechanistisch-ökonomischer Sicht völlig im Dunkel bleibt.gorilla-thinking

Zum Beispiel die Hominisation selbst.

Der Mensch ist ein Problemfall.

•Oktober 18, 2009 • Kommentar schreiben

Gleise

Leben ist für die Naturwissenschaft Stoffwechsel und Fortpflanzung, einschließlich der neuronalen Prozesse, die sich kausal dazwischen schieben. Nur der Mensch kann sich damit nicht begnügen, weil er in keiner natürlichen Umwelt zu Hause ist, die ihm seine Bestimmung vorgegeben hätte, sondern in einer selbstbedeuteten Welt: schlecht und recht. Seine Existenz ist eo Rohr im Windipso prekär. Er kann nicht bloß "da sein", sondern muss sein Leben führen. Das ist offenbar ein Problem. Und nur, weil er es hat, sagt er "ich".


Der Mensch kann sich selbst fraglich werden.

•Oktober 15, 2009 • Kommentar schreiben

Die Bedeutungen tierischer Umwelten haben alle einen gemeinsamen Nenner: Sie sind Funktionen der Erhaltung – der Individuen wie der Art. Was keinen Erhaltungswert hat, kommt in ihnen, wenn es auch ‘da’ ist, buchstäblich nicht vor. Der Mensch hat aber vor Jahrmillionen seine Urwaldnische verlassen und ist aus der ererbten Umwelt in eine fremde Welt aufgebrochen. Deren Bedeutungen waren nicht ererbt; er mußte sie selber heraus-, d. h. hineinfinden: Ihm kann alles bedeutsam werden. Und die Bedeutung ist, seit er einmal dem Überfluß begegnet war, nicht mehr auf den Erhaltungswert beschränkt: Jedes kann ihm Vieles bedeuten, und er kann sich sogar selber fraglich werden.